Im Rahmen unseres „Kommunikationstraining C1“ führten wir ein Interview mit dem Journalisten und Autoren Arnold Küsters.
Geboren 1954 in Nettetal-Breyell blickt Arnold Küsters auf eine lange Laufbahn bei WDR, ARD, Die Zeit, Stern, dpa und der Rheinischen Post zurück. Der Kurs sprach mit Herrn Küsters im Interview darüber, wie Inspiration entsteht, wie sich Handlungen wie im Film beim Schreiben entwickeln und wie Recherche, Angst, KI-Einfluss, Arbeitsalltag und Freizeit seinen kreativen Prozess prägen. Viel Spaß beim Lesen! 🙂

Wie findest du Inspiration?
Ich lese und sehe viel. Bin gerne vor Ort in England, wo derzeit meine Romane spielen. Schaue mir Vieles an, bin mit vielen Menschen vor Ort im Gespräch. Aus den vielen Facetten ergibt sich irgendwann dann eine Idee. Es ist die Neugier auf Neues und Unbekanntes, die mich antreibt. Aber auch das vertiefende Nachdenken über Bekanntes. Und ich mag Menschen.

Wie entstehen die Handlungen in deinen Büchern – stellst du sie dir wie einen Film oder Zeichentrickfilm vor oder planst du sie rational?
Ich schreibe ein Exposé, das ich dem Verlag schicke. Darin ist der Plot angelegt, also auch die handelnden Personen und vor allem der Ausgang. Das ist das Gerüst. Beim Schreiben dann laufen vor meinem geistigen Auge die einzelnen Szenen und Dialoge wie im Film ab. Vieles entwickelt sich in der aktuellen Schreibsituation. Es entstehen Szenen, Dialoge und auch Charaktermerkmale, an die ich vorher beim Exposé nicht gedacht habe. Insofern bin ich auch mein erster Leser.

Wie hast du recherchiert, wie Ermittlungen ablaufen?
Als WDR-Journalist für Hörfunk und Fernsehen habe ich einen engen Kontakt zur Polizei gehabt, zu Todesermittlern z. B., aber auch zu Richtern, Staatsanwälten und Verteidigern. Von daher hat sich ganz automatisch ein großes Wissen über polizeiliche Ermittlungen zusammengefügt.

Als du mit dem Schreiben angefangen hast: Hattest du Angst? (Es nicht zu schaffen? Vor schlechten Kritiken? Vor Erfolg?)
Nein. Ich habe für den WDR sehr oft aktuell arbeiten müssen, also Fakten und Zusammenhänge schnell erkennen und aufbereiten. Daher hatte ich nie Angst vor dem Schreiben. Ich wusste und weiß auch heute, dass mir immer etwas einfällt. Kritik und Erfolg? Das sind Dinge, auf die ich keinen oder nur wenig Einfluss habe. Natürlich weiß ich, dass nicht jedem meine Romane gefallen. Muss es auch nicht. Das ist zwar schade, aber auch nachvollziehbar. Jeder Mensch empfindet anders. Kritik spornt mich eher an. Der Erfolg ist ein scheues Reh. Mal stellt er sich ein, mal nicht. Ich behaupte, Erfolg kann man nicht oder nur in bescheidenem Umfang planen. Ich bin also jedes Mal gespannt, wie meine Ideen und mein Schreibstil bei meinen Leserinnen und Lesern ankommen. Ich bin da recht entspannt.

Kommt es dir als Schriftsteller bekannt vor, eine Schreibblockade zu haben?
Ich weiß, dass es Autorinnen und Autoren gibt, die davon berichten. Aber an mir selbst habe ich das noch nicht wahrgenommen. Gleichwohl gibt es auch bei mir Phasen, in denen mir das Schreiben leichter fällt als an anderen Tagen.

Wenn du kein Journalist geworden wärst, was wärst du geworden?
Kinderarzt, Schreiner, vielleicht auch „irgendwas mit Kunst“. Allerdings hatte ich schon als Kind den Wunsch, mal ein Buch zu schreiben. Das hat sich dann aber erst spät ergeben. Mein erster Roman ist Ende 2005 erschienen. Journalist bin ich nach meinem 2. Staatsexamen für das Lehramt für die Sekundarstufe II, Englisch und Pädagogik, geworden. Da es für mich damals aber keine Planstelle gab, musste ich mich umorientieren. Und bin dann recht schnell zum Journalismus gekommen. Was ich nie werden wollte: Finanzbeamter wie einer meiner Großväter. Ich bin froh, dass ich freier Journalist und Autor werden konnte. Alles andere hätte mich nur eingeengt.

Was denkst du, wie KI später deine Arbeit beeinflussen kann?
Das ist eine schwierige Frage. KI ist wichtig, vor allem in der Medizin. Hilft sie doch bei der Diagnose. Sie ist exakter, als jeder Mensch sein kann. Bei meiner schriftstellerischen Arbeit ist das etwas anderes. KI wird niemals kreativ wie ein Mensch sein können. Hoffe ich. Allerdings kann es so sein, dass Verlage bald von KI Romane schreiben lassen, die dann von Schriftstellerinnen und Schriftstellern in eine lesbare Form gebracht werden. Das ist aber etwas, das ich nicht machen möchte. Ich möchte aus meiner eigenen Kreativität heraus etwas schaffen. Natürlich nutze auch ich KI. Vor allem, wenn ich nach Fakten suche. Aber ich bin vorsichtig, denn KI schreibt nicht selten auch das Falsche. Ich muss und will das dann gegenchecken, wenn mir das KI-Ergebnis merkwürdig erscheint.

Wie sieht bei dir ein typischer Arbeitstag aus und wie typische Freizeit?
Wenn ich den Alltagskram erledigt habe, setze ich mich an den Schreibtisch und arbeite an meinen Texten. Das kann mal nur eine Stunde sein, aber auch mehrere am Stück. Das hängt davon ab, was das Leben sonst noch von mir verlangt. Da ich noch journalistisch arbeite, muss meine kreative Arbeit am Roman hintenanstehen. Manchmal behindert mich der Alltag bei meiner kreativen Arbeit, aber das ist meine subjektive Sicht auf die Dinge. Meine Freizeit verbringe ich mit Joggen, wenn es denn zeitlich passt. Ich sollte öfter laufen gehen, aber dann meldet sich der innere Schweinehund. Ich bin noch als Musiker aktiv, habe einmal die Woche Probe. Obwohl ich nicht immer Lust dazu habe, spüre ich, dass mir die Musik den Kopf frei macht. Ich kann noch so müde und unlustig sein, nach fünf Minuten im Probenraum sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Und ich liebe unsere Auftritte mit www.hiergehtwasband.de. Und natürlich tauche ich gerne in meine sehr umfangreiche Schallplattensammlung ab, in der es viel Rock und Blues gibt.

Was liest du gerne?
Im Augenblick habe ich gerade einen Band mit Erzählungen von Rolf Rothmann, Museum der Einsamkeit, 2025 bei Suhrkamp erschienen. Außerdem mag ich die Krimis von Ian Rankin sehr gerne. Von ihm habe ich mir daher den Vornamen meines Pseudonyms ausgeborgt: Ian Bray. Die Romane englischer Autorinnen und Autoren lese ich auch gerne im Original. Aber es muss nicht immer Krimi sein. Ich bin da insgesamt offen. Wenn mich etwas interessiert, greife ich zu.

Falls ihr euch auch für unseren Kommunikationskurs interessiert, findet ihr hier alle weiteren Informationen: https://vhs.duesseldorf.de/kurssuche/kurs/Kommunikationstraining-fuer-Alltag-und-Beruf-C1/H416508

Fotos: © VHS Düsseldorf, Ansgar Fabri

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