Unsere Dozentin Gertie Thiesen ist gebürtige Niederländerin, aufgewachsen im Grenzgebiet nahe Venlo. Warum Gertie mittlerweile in Düsseldorf lebt, was die Sendung mit der Maus mit ihren Deutschkenntnissen zu tun hat und warum die meisten Niederländer sich beim Vornamen ansprechen, hat sie uns im Interview erzählt.

Gertie Thiesen erklärt die niederländische Redewendung „De kat uit de boom kijken!“

Gertie, nicht alle, aber viele Niederländer, sprechen gut Deutsch. Wie und wo haben Sie unsere Sprache gelernt?
Ich bin schon als kleines Kind mit Deutsch in Berührung gekommen. Im niederländischen Fernsehen werden Filme im Original mit niederländischen Untertiteln gezeigt. Meine Mutter hat viel Wert darauf gelegt, dass ich mir beispielsweise die Sendung mit der Maus und Löwenzahn anschaue. Meine Familie hatte immer eine große Affinität zu Deutschland. Mein Opa hatte einen Ferienpark mit vielen deutschen Gästen, mein Vater hat zeitweise in Deutschland gearbeitet. Dann kam noch der Deutschunterricht in der Schule hinzu.

Und wie sind Sie vom niederländischen Arcen nach Düsseldorf gekommen?
Ich habe eine Ausbildung in der Modebranche gemacht, habe im Einkauf gearbeitet und zwei Boutiquen geleitet. Irgendwann bin ich in Amsterdam gelandet, dann aber aufgrund von zwei Krankheitsfällen innerhalb der Familie in mein Heimatdorf zurückgekehrt. Dort habe ich fünf Jahre lang gelebt, bis mich irgendwann eine in Düsseldorf lebende niederländische Freundin fragte: „Warum kommst du nicht hierhin? Guck es dir doch einfach mal an.“ Das ist nun 20 Jahre her. Seitdem lebe ich in Düsseldorf, das meine neue Heimat geworden ist.

Obwohl Sie nun in der Modestadt Düsseldorf zuhause sind, ist es nicht mehr die Mode, um die sich ihr berufliches Engagement dreht. Was machen Sie nun, abgesehen von den sehr erfolgreichen Niederländisch-Kursen an der VHS?
Nach der Mode habe ich Finanzberatung für in Deutschland lebende Niederländer gemacht. Zudem habe ich ehrenamtlich Langzeitarbeitslosen die niederländische Sprache beigebracht. Schließlich entstanden Kontakte zu Firmen, die nicht nur Sprachunterricht für ihre Mitarbeitenden wünschten, sondern auch wissen wollten, wie sie mit niederländischen Kunden oder Partnern umgehen sollten. Denn obwohl unsere Länder benachbart sind, ticken ihre Einwohner in einigen Dingen doch unterschiedlich.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Was mir am meisten auffällt, ist die förmliche Anrede in Deutschland. Wir Niederländer sind fast alle per „Du“, nennen uns beim Vornamen. Anfangs war ich irritiert, weil mich niemand mit meinem (Vor-)Namen angesprochen hat. Für uns ist diese Anrede wie ein Band, das uns verbindet. Wir zeigen dem anderen damit Respekt und vermitteln ihm „du bist gesehen“. Natürlich duze ich meine Teilnehmenden im Unterricht. Alles andere wäre nicht authentisch. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Deutschen gerne alles perfekt machen möchten. Die Niederländer sind sehr offen, wollen sofort ins Gespräch kommen und quatschen einfach drauf los, auch wenn sie Fehler machen. Da sind die Deutschen viel zurückhaltender.

Sie sagten in unserem Gespräch, dass immer mehr Deutsche daran interessiert sind, die niederländische Sprache zu lernen. Wissen Sie, warum das so ist?
Da gibt es mehrere Gründe. Beispielsweise hat bei einigen Urlaubern, die seit vielen Jahren ihre Ferien in den Niederlanden verbringen, ein Umdenken stattgefunden. Sie möchten mehr über die Kultur ihrer Gastgeber erfahren, wozu auch das Erlernen der Sprache gehört.
Dann gibt es berufliche Gründe. Arbeitnehmer, die nach NL pendeln. Oder deutsche Studierende, die sich an einer niederländischen Uni einschreiben.
Und auch die Liebe spielt eine Rolle. Durch Online-Dating entstehen mehr grenzübergreifende Beziehungen. Beispielsweise hat sich eine deutsche Braut an mich gewandt. Ich bin mit ihr ihre Hochzeitsrede durchgegangen, die sie für die niederländische Zeremonie vorbereitet hatte.

Gertie Thiesen unterrichtet im kommenden Semester, das am 7. Februar 2022 beginnt, wieder Niederländisch auf unterschiedlichen Niveaustufen. Unter anderem wird es einen Multimedia-Workshop zur Auffrischung der Kenntnisse von A0 bis A2 geben (Y522001) sowie erstmals einen Hybridkurs für Anfänger (Y521002-H). Weitere Informationen zu Gertie finden Sie auf ihrer Website www.niederländisch-lernen.com.

Fotos: © VHS Düsseldorf

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