Gewürze sind für unsere Dozentin Dr. Tejinder Kaur Matharu mehr als das sprichwörtliche Salz in der Suppe. Gewürze richtig angewandt helfen dabei, die Speisen für den Magen bekömmlich zu machen. Dies ist in ihrer Heimat Indien schon allein deshalb wichtig, weil es dort die meiste Zeit des Jahres sehr heiß ist, wodurch der Körper das Essen nur schwer verdauen kann. Im Interview verrät uns Teji – wie ich sie nennen darf – einige Tricks aus ihrer Gewürzküche und erzählt, wie sie ihre Hobbys Kochen und Hindi zum Beruf gemacht hat.

Dr. Tejinder Kaur Matharu

Teji, du hast in Indien in Soziologie promoviert. Aktuell arbeitest du als pädagogische Mitarbeiterin an einer Ganztagsschule und gibst bei uns indische Kochkurse sowie Sprachkurse in Hindi. Was hat dich zur VHS geführt?
Ich bin mit meinem Mann vor 19 Jahren aus beruflichen Gründen nach Deutschland gekommen. Als die Kinder in die Kita kamen, habe ich auf Empfehlung von Bekannten an der VHS Deutsch gelernt. So kam ich mit der Institution Volkshochschule in Berührung.
In dem umfangreichen VHS-Programm entdeckte ich Kurse in Hindi. Innerhalb der Familie sprechen wir zwar Punjabi, doch Hindi ist ein großes Hobby von mir. Daher bewarb ich mich initiativ als Dozentin und unterrichte die Sprache nun schon seit über zehn Jahren.
Außerdem bin ich eine leidenschaftliche Köchin und habe schon immer gerne für meine Familie und für Freunde gekocht. Sie waren es auch, die mich dazu animierten, mein Wissen in Kochkursen weiterzugeben. Also fragte ich erneut bei der VHS an und biete nun seit 2018 Kurse zu unterschiedlichen Themen wie Indisches Streetfood oder Ayurvedische Küche an.

Dann beherrschst du gemeinsam mit Deutsch und Englisch also vier Sprachen mit drei unterschiedlichen Alphabeten. Wie lange dauert es, bis Teilnehmende deiner Hindi-Anfängerkurse sich in der Sprache verständigen können?
Nach zwei Semestern – natürlich abhängig von der jeweiligen Lernbereitschaft – können sie sich in Indien zurechtfinden. Sie können Sätze bilden, Fragen stellen und auch Straßenschilder lesen. Die ersten Kapitel der Hindi-Lehrbücher sind noch in lateinischen Buchstaben geschrieben, dann wechselt es in die indische Schrift Devanagari. Sie hat 13 Vokale und 33 Konsonanten. Im A.1-Kurs verwenden wir etwa die Hälfte der Zeit für das Alphabet, die andere Hälfte arbeiten wir mit Buch und machen Sprachübungen.

Kommen wir zurück zum Kochen. Die ayurvedische Küche ist sehr wohltuend für den Körper. Kochst du zu Hause nach deren Richtlinien wie den drei Doshas?
Ich koche zu Hause nicht streng nach den Regeln, aber verwende viele Gewürze, die auch zur ayurvedischen Kochweise gehören. Nehmen wir zum Beispiel Reis. In Nordindien würde man abends selten Reis essen, da dies zu Blähungen führen kann. Wir essen ihn spätestens am Nachmittag. Und wenn ich Reis koche, füge ich ihm Nelken und Ghee hinzu, da dies den Reis bekömmlicher macht. Ein weiterer Trick: Wenn ich etwas anbrate, kommt eine Prise Asant ins Öl, weil es dann besser für den Magen ist.
Generell würze ich viel mit Nelken, Kardamom, Lorbeerblättern, Kreuzkümmel und Sternanis. Und das nicht nur wegen des Geschmacks, sondern vor allem wegen der Verträglichkeit.
Noch ein Tipp für den Sommer: In Indien ist es die meiste Zeit des Jahres sehr heiß. Wir können dem Körper etwas Abkühlung verleihen, indem wir mit Wasser verdünnten Joghurt zu uns nehmen. Der sogenannte Lassi hat eine kühlende Wirkung. Würden wir den Joghurt pur verzehren, würde dies das Gegenteil bewirken und unseren Körper erhitzen.

Die Teilnehmenden deines Kurses lernen also nicht nur leckeres Essen zuzubereiten, sondern können auch ihr Wohlbefinden steigern?
Genau. In Indien sprechen wir von Body & Soul, also das Essen soll mit dem Körper und dem Geist harmonieren. Ich stelle in meinen Kursen traditionelle indische Rezepte vor und koche mit den Teilnehmenden so, wie wir zu Hause kochen. Das weicht geschmacklich durchaus von den indischen Restaurants in Deutschland ab, da diese sich dem deutschen Gaumen anpassen möchten.
Übrigens sollte niemand Angst vor den vielen Gewürzen haben. Die bekommt man mittlerweile in jedem Supermarkt. Und wenn die Teilnehmenden sie dann zumindest ein bis zweimal im Monat verwenden und ihrem Magen somit etwas Gutes tun, habe ich mein Ziel erreicht.

Gibt es denn auch in der deutschen Küche ein Gericht, das dir schmeckt und zugleich bekömmlich ist?
Spinat und Kartoffelpüree. Kartoffelpüree habe ich erst in Deutschland kennengelernt, das gibt es in Indien nicht. Ich würze es wie die Deutschen nur mit etwas Salz und Pfeffer. Es ist sehr bekömmlich für den Magen, daher empfehle ich es oft meinen in Indien lebenden Eltern.
Spinat esse ich auch sehr gerne. Auch hier greife ich nicht tief in die Gewürzkiste, sondern verwende nur etwas Knoblauch, Salz und Pfeffer.

Wenn ihr an einem Koch- oder Sprachkurs von Dr. Tejinder Kaur Matharu teilnehmen möchtet, findet ihr auf der VHS-Website unter http://www.duesseldorf.de/vhs die entsprechenden Informationen. Einfach den Begriff „indisch“ beziehungsweise „Hindi“ in die Veranstaltungssuche eingeben.
Fotos: © VHS Düsseldorf

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