Die Spiegel-Bestseller-Autoren Uwe Laub und Rebecca Gablé, erfolgreiche Krimiautoren wie Horst Eckert, Jutta Profijt und Susanne Goga sowie der Autor von Fußballliteratur, Politikwissenschaftler und Professor Dr. Claus Hansen – die Liste der Autorinnen und Autoren, die Teilnehmer des Kurses „Kommunikationstraining C1“ interviewt haben, wächst stetig.

Umso interessanter und vielleicht auch überraschender: Den zuletzt interviewten Schriftsteller findet man werktags in der VHS, wo er den Fachbereich Deutsch und Integration leitet.

Doch bevor die Teilnehmer ihre Fragen an Dr. Charbel Gauthé richten konnten, hieß es – wie in den vorherigen Kursen – Informationen über den Interviewpartner sammeln, auf Flipcharts präsentieren und in der Gruppe Fragen formulieren, diskutieren und schließlich korrigieren, um so die Kommunikation auf C1-Niveau umfassend zu trainieren.

Die Fragen und Antworten aus dem Projektunterricht findet ihr weiter unten.
Viel Spaß beim Lesen!


Was hat Sie dazu gebracht die politischen Diskurse in Afrika zu analysieren?
Ich komme aus einem afrikanischen Land und habe ein großes Interesse an politischen Themen. Die Analyse der politischen Diskurse in Afrika wurde für mich wichtig, weil ich nach Vorbildern und Antworten suchte. Besonders interessierte mich, wie Narrative, Sprache und Identität dabei helfen können, positive Veränderungen zu bewirken.
Außerdem wollte ich mehr über Diskriminierungserfahrungen lernen und besser verstehen, wie diese zu Bestrebungen nach Gerechtigkeit, Freiheit und Teilhabe führen können. Hinzu kommt, dass ich in Gesprächen mit Jugendlichen häufig die traurige Erkenntnis gewonnen habe, dass viele kaum etwas über ihre eigene Geschichte wissen. Diese Wissenslücke nicht nur aufzuzeigen, sondern sie auch zu schließen, ist für mich zu einer persönlichen Mission geworden.

Haben Sie noch Heimweh?
Ja, ich habe durchaus noch Heimweh, auch wenn ich hier in Deutschland gut angekommen bin und dieses Land mittlerweile meinen Lebensmittelpunkt darstellt. Obwohl ich mich hier sehr wohlfühle, gibt es Momente, in denen die physische Distanz zu meiner Familie spürbar wird.

Was ist beim Lehren der deutschen Sprache am wichtigsten?
Als langjähriger Dozent ist für mich eine der zentralen Prioritäten, die Kommunikation in den Vordergrund zu stellen. Sprache lebt davon, aktiv genutzt zu werden, und der Unterricht sollte die Lernenden dazu ermutigen, von Anfang an frei zu sprechen, auch wenn nicht alles perfekt ist.
Ebenso halte ich es für essenziell, kulturelle Aspekte in den Lernprozess einzubinden. Die deutsche Sprache ist untrennbar mit ihrer Kultur verbunden, und durch Einblicke in Traditionen, Gepflogenheiten und Werte wird die Sprache nicht nur verständlicher, sondern auch lebendiger. Fehler betrachte ich dabei stets als wertvolle Lernchancen. Sie sind kein Hindernis, sondern ein natürlicher Teil des Prozesses, der den Fortschritt sichtbar macht.
Darüber hinaus sehe ich gesellschaftliches Engagement als wichtige Ergänzung. Zumindest hat es mir sehr geholfen, meine Ängste zu überwinden und besser Deutsch zu sprechen und gleichzeitig etwas Gutes für die Gemeinschaft zu tun. Ob durch den Austausch mit Muttersprachlern oder die Teilnahme an lokalen Aktivitäten – solche Erfahrungen fördern nicht nur die sprachliche Kompetenz, sondern auch die Integration. Schließlich erfordert dieser Weg viel Geduld und Motivation, sowohl von den Lehrenden als auch von den Lernenden.

Wie sehen Sie die Entwicklung des Panafrikanismus in afrikanischen Ländern?
Die Entwicklung des Panafrikanismus in afrikanischen Ländern ist eng mit den Befreiungsbewegungen nach dem Zweiten Weltkrieg und der Entkolonialisierung verbunden. Viele afrikanische Stimmen forderten nicht nur die Unabhängigkeit, sondern auch eine vereinte afrikanische Identität. Doch der Widerstand kolonialer Mächte, die ihre Herrschaft nicht aufgeben wollten, führte dazu, dass viele Forderungen nach Freiheit und Selbstbestimmung unterdrückt wurden. Heute, mit dem Zugang zu modernen Kommunikationsmitteln, ist vor allem die junge Generation zunehmend in der Lage, sich über die Folgen des Kolonialismus zu informieren, was den Wunsch nach Identitätsbestätigung, echter Unabhängigkeit und Einheit verstärkt.
Der Panafrikanismus hat heute auch eine starke geopolitische Dimension. Afrikanische Länder arbeiten zunehmend zusammen, um ihre Position auf der globalen Bühne zu stärken und sich als vereinte Kraft zu präsentieren. Mein Buch ist in diesem Kontext eine Erinnerung an die mahnenden, aber auch inspirierenden Worte von Panafrikanismus-Vordenkern wie Kwame Nkrumah oder Thomas Sankara, die den Kontinent dazu aufriefen, seine Identität zu bewahren und den Weg zu echter Unabhängigkeit und Zusammenhalt zu finden.

Was würden Sie gerne in Deutschland ändern oder verbessern?
In Deutschland würde ich mir wünschen, dass mehr Aufklärungsarbeit über die globalen Herausforderungen unserer Zeit geleistet wird, insbesondere in den Schulen. Themen wie Klimawandel, soziale Gerechtigkeit, Migration und Diskriminierung sind von entscheidender Bedeutung für die Zukunft der Gesellschaft und sollten frühzeitig in den Bildungsprozess integriert werden.

Was wollen Sie in den nächsten 10 Jahren erreichen?
In den nächsten zehn Jahren strebe ich an, noch mehr Bücher zu schreiben, die neue Perspektiven auf aktuelle Themen bieten. Parallel dazu möchte ich Projekte realisieren, die über den persönlichen Erfolg hinausgehen und einen nachhaltigen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen.

Eine kurze Vorstellung unseres Fachbereichs Deutsch und Integration findet ihr hier: https://vhsduesseldorf.blog/2025/07/04/fachbereich-deutsch/

Informationen zu unserem Angebot im Fachbereich Deutsch und Integration findet ihr auf unseren Internetseiten unter https://vhs.duesseldorf.de/programm/deutsch-und-integration#inhalt

Fotos: © Ansgar Fabri

Hinterlasse einen Kommentar