Kaum ein Thema weckt so viel Staunen wie der Blick ins Universum. Unser heutiger Interviewpartner, Herr Dr. Joachim Lapsien, widmet sich diesem faszinierenden Forschungsgebiet seit vielen Jahrzehnten. Als Physiker und erfahrener Dozent vermittelt er in seinen Vorträgen und Kursen an Volkshochschulen in der Region Rhein-Ruhr, darunter an der vhs Düsseldorf, astronomisches Wissen verständlich und mit großer Leidenschaft. Dabei schlägt er immer wieder die Brücke zwischen aktueller Forschung und den Fragen, die viele Menschen beim Blick in den Nachthimmel bewegen.
Herr Dr. Lapsien, Sie beschäftigen sich seit vielen Jahrzehnten mit Astronomie und geben Ihr Wissen in Vorträgen und Kursen weiter. Wie hat Ihre persönliche Begeisterung für den Sternenhimmel begonnen? Gab es einen besonderen Moment, der Sie geprägt hat?
Zur Astronomie kam ich in der Schulzeit im Jahr 1979, als in der Oberstufe der Kurs „Astrophysik“ angeboten wurde. In der Folgezeit war ich langjährig an der Benzenberg-Sternwarte in Düsseldorf aktiv. Seitdem hat mich die Astronomie nicht mehr losgelassen. Und seit 1987 bin ich bei der VHS Düsseldorf im Fachbereich Astronomie tätig.
Sie beobachten die Entwicklung der Astronomie seit vielen Jahren. Welche Entdeckung hat Ihrer Meinung nach die größte öffentliche Aufmerksamkeit bekommen und welche mindestens genauso bedeutende Entdeckung wurde eher unterschätzt?
Da gibt es so einiges Spektakuläres: Die Riesenteleskope, die Programme zur Erforschung der Phänomene des Universums mit einer Vielzahl von spannenden Entdeckungen und die Sonden- und Landemissionen zur Erforschung der Planeten und Monde unseres Sonnensystems. Große Aufmerksamkeit erfahren regelmäßig Himmelsphänomene, wie eine Sonnen- oder Mondfinsternis oder ein heller Komet, meist begleitet durch die Berichterstattung den Medien. Wissenschaftlich und auch in der Öffentlichkeit erfahren die Exoplaneten, d.h. Planeten bei fernen Sternen, eine große Aufmerksamkeit. Inzwischen sind mehr als 7000 Exoplaneten bestätigt.
In der öffentlichen Wahrnehmung werden hingegen die Entdeckungen der Gravitationswellen und des Higgs Bosons unterschätzt.
Wenn Sie jemanden zum ersten Mal für die Astronomie begeistern wollten: Welches Himmelsobjekt würden Sie ihm zeigen und warum gerade dieses?
Mit dem bloßen Auge erscheint der Erdmond relativ unspektakulär, abgesehen von seiner Phasengestalt. Aber sehr eindrucksvoll ist die Beobachtung des Mondes durch ein Teleskop mit ca. 100 bis 200 facher Vergrößerung. Dann erkennt man unzählige Krater, die durch Einschläge von Kleinkörpers entstanden. Der Mond hat keine Atmosphäre, in der diese Körper verglühen.
Viele Menschen haben bestimmte Vorstellungen vom Universum, die gar nicht stimmen. Welcher Irrtum begegnet Ihnen in Ihren Vorträgen bzw. Kursen am häufigsten?
Unvorstellbar sind die Distanzen im Kosmos, und auch die Masse unserer Sonne, die 330.000 Erdmassen entspricht. Da kommt man schon ins Staunen. Und bei unserer Sonne handelt es sich “nur“ um einen Mittelklassestern! Dieses ist vielen Teilnehmern nicht bekannt oder nicht bewusst.
Sie haben im Laufe der Jahre unzählige Menschen für Astronomie begeistert. Welche Frage eines Kursteilnehmers hat Sie selbst am meisten überrascht oder zum Nachdenken gebracht?
Die Frage, ob es im Universum Leben, neben dem auf der Erde, gibt und die Suche nach sogenannten Biosignaturen, ist aus Dozenten- und Teilnehmersicht immer sehr spannend.
Gibt es eine Entdeckung oder ein Forschungsergebnis, auf das Sie schon seit Jahren gespannt warten und von dem Sie hoffen, dass wir es noch erleben werden?
Hierzu gehört für mich die Vorhersage der Gravitationswellen durch Albert Einstein im Jahre 1916. Der erste Nachweis erfolgte fast 100 Jahre später, im Jahr 2015. Hier wurde die Verschmelzung zweier Schwarzer Löcher nachgewiesen. Diese Entdeckung wurde 2017 durch den Nobelpreis gewürdigt. Das war schon phantastisch. Und besonders spannend ist die Suche nach Spuren von Leben im All.
Wenn Sie einen Abend lang mit einer Astronomin/einem Astronomen oder Physiker*in Ihrer Wahl, ob historisch oder aus der Gegenwart, über den Sternenhimmel fachsimpeln könnten: Wen würden Sie wählen und welche eine Frage würden Sie ihr/ihm unbedingt stellen?
Galileo Galilei, der 1609 das Teleskop erstmals astronomisch einsetzte und durch seine Beobachtungen zum Wandel des Weltbildes (vom geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild) beitrug. Und faszinierend wäre in jedem Fall ein Gespräch mit Albert Einstein, dessen theoretischen Vorhersagen von Phänomen der speziellen und allgemeinen Relativitätstheorie bisher alle messtechnisch bestätigt wurden. Mich interessiert dabei insbesondere die Frage, was diese Entdeckung bei dem Wissenschaftler ausgelöst hat.
Was fasziniert Sie nach all den Jahren an der Astronomie noch immer am meisten? Gibt es etwas, das Sie bis heute ehrfürchtig oder sprachlos werden lässt?
Wenn man fernab der Großstand in den Sternhimmel schaut, so wird einem bewusst, wie groß und förmlich unendlich das Universum ist. Und besonders eindrucksvoll sind die Aufnahmen der Raumstation ISS. Wenn man die recht dünne Erdatmosphäre sieht, bekommt man einen Eindruck davon, wie „filigran“ unser Planet eigentlich ist.
Stellen wir uns vor, Sie könnten allen Menschen auf der Erde für fünf Minuten einen vollkommen klaren, unverstellten Sternenhimmel zeigen. Glauben Sie, dass sich dadurch unser Blick auf die Welt oder vielleicht sogar auf uns selbst verändern würde?
Das ist eine interessante Frage. Ich habe es selbst erlebt, wie sich der Sternhimmel fernab von störenden Lichtquellen darstellt – eine Fülle von Sternen mit dem leuchtenden Band der Milchstrasse. Das ist schon sehr eindrucksvoll und kann ein prägendes Ereignis sein, so dass sich vielleicht auch die Sicht der Dinge etwas verändert. Insbesondere dann, wenn man weiß, was sich hinter all den Lichtquellen verbirgt. Aber es kommt natürlich auch darauf an, wie aufgeschlossen man ist. Leider hat man diesen überwältigten Eindruck aufgrund der zunehmenden „Lichtverschmutzung“ immer seltener.
Wer jetzt Lust bekommen hat, tiefer in das Thema Astronomie einzutauchen: Welche Kurse oder Vorträge bieten Sie derzeit an der Volkshochschule Düsseldorf an und für wen eignen sie sich besonders?
Meine Motivation ist den Teilnehmern Themen aus den Bereichen der Astronomie und Astrophysik zugänglich zu machen. Dabei sollen die Teilnehmer möglichst viel mitnehmen. Dies bedeutet, dass komplexe Sachverhalte entsprechend anschaulich aufbereitet und vermittelt werden müssen. In meinen Kursen animiere ich zum aktiven Mitdenken und zum Nachvollziehen selbst komplexer Zusammenhänge. Aktuell biete ich den Kurs „Astronomie heute“ an, in dem aktuelle astronomische Entdeckungen und Phänomene behandelt werden. Dieser richtet sich an naturwissenschaftlich interessierte Teilnehmer.
Alle Kurse zum Thema Astronomie findet ihr hier: https://vhs.duesseldorf.de/programm/politik-gesellschaft-umwelt-1/kategorie/Astronomie/1462


Fotos © Dr. Joachim Lapsien