Der Deutsch-Dozent gibt bei uns Integrationskurse. Das Besondere: Innerhalb der Kurse findet das Projekt News to Use der Rheinischen Post statt.

Dozent Ansagr Fabri

„News to Use“ ist ein Azubi-Projekt der Rheinischen Post. Wie läuft das Projekt ab? Gibt es Unterschiede zu unserer Version?

Ein wesentlicher Unterschied ist, dass sich „News to Use“ an der VHS an ausländische Teilnehmer richtet, die Deutsch in unseren Kursen lernen. Die Zielgruppe sind eben nicht Auszubildende, die oft Muttersprachler sind oder bereits mindestens Deutsch auf der Stufe B2 beherrschen sollten. Neben der Printausgabe der Rheinischen Post gibt es Arbeitsblätter, für die jeweils ein aktueller Zeitungsbericht als Grundlage dient. Auch hier gibt es einen Unterschied zum klassischen „News to Use“: Für das Erstellen der Arbeitsblätter hat die Rheinische Post mich beauftragt, weil ich zum einen seit 17 Jahren als freier Journalist arbeite und zum anderen seit etwa neun Jahren Dozent für Deutsch als Fremdsprache bin. Die Aufgaben sind also auf Deutschlerner zugeschnitten. Aufgebaut sind sie wie Aufgaben in Lehrwerken. Wie genau, hängt von dem Zeitungsartikel, dessen Inhalt und Struktur ab. Neben den Aufgaben gibt es immer eine Wortliste mit Erklärungen wichtiger Begriffe aus dem Text. Zum Start des Projekts hat die Messe Düsseldorf mit der Rheinischen Post diese Form von „News to Use“ ins Leben gerufen, um die Integration von Flüchtlingen zu unterstützen. Da diese längst in den üblichen Integrationskursen Deutsch lernen, erreicht das Projekt auch Deutschlerner mit anderen Biografien. 

Gibt es einen bestimmten Themenbereich, der den Teilnehmenden am meisten gefällt?

Die Zeitungsartikel, die ich didaktisiere, stammen immer aus dem Lokalteil. Das ist auch Teil der Projektidee. Lernmaterial beziehungsweise Aufgaben, die sich auf aktuelle, journalistische Berichte beziehen mit Worterklärungen bietet auch die „Deutsche Welle“ an, aber „News to Use“ legt bewusst den Schwerpunkt auf den Lokalteil und damit auf das Leben und Ereignisse in Düsseldorf. In den Kursen sagen unsere Teilnehmer oft, dass sie sich mehr Kontakt mit Einheimischen wünschen. Daher nehme ich unter Anderem auch Artikel, die über Kulturveranstaltungen informieren oder Berichte, die für Familien interessant sind. Artikel über regionale Volksfeste eignen sich ebenso wie Wirtschafts- oder Bildungsthemen. Wenn Wahlen sind oder wichtige kommunalpolitische Entscheidungen getroffen werden, kann das auch interessant sein. Hauptsache der Bezug zu Düsseldorf ist gegeben.
Was die Printausgaben der Rheinische Post angeht: Die kann man ja auch unabhängig von den Arbeitsblättern im Unterricht nutzen. Der Fokus hängt dann von den Lernzielen ab. Meine Erfahrung aus dem Unterricht ist: Was die Teilnehmer interessiert, kann man kaum einheitlich sagen. Da spielen Interessen, Sprachkenntnisse und Wissen aus dem Beruf oder Studium im Herkunftsland eine Rolle.

Was sind Ziele des Projektes?

Im Kopf der Arbeitsblätter steht immer: „Leben in meiner Stadt – wie mir Zeitungsberichte helfen meine neue Heimat kennenzulernen.“ Das soll dieses Projekt, indem es vor allem die Sprachkompetenz, insbesondere die Lesekompetenz fördert, erreichen. Inhaltlich werden Themen aufgegriffen, die auch im sogenannten „Orientierungskurs“ zu finden sind. Durch die Aktualität und den Lokalbezug unterschiedet es sich von anderen Lernmaterialien, was die Motivation fördern kann.

Wie oft findet das Projekt statt und wie lange läuft es?

Die Printausgabe der Rheinischen Post bekommt die VHS an allen Werktagen. Die Arbeitsblätter erstelle ich im Zwei-Wochen-Takt. Interessierte Kolleginnen und Kollegen bekommen sie Montags als PDF-Datei per Mail. Gestartet ist „News to Use“ in dieser Form im Januar 2017.

Was wünschen Sie der Volkshochschule zum 100. Geburtstag?

Ich hoffe, dass Teilnehmer und Politiker nicht vergessen, was Volkshochschulen leisten und bieten. In meiner Diplomarbeit habe ich mich unter anderem mit Erwachsenenbildung beschäftigt und mir dafür auch das Programm der VHS Düsseldorf genauer angesehen. Das Angebotsspektrum ist sehr umfangreich und immer wieder an Entwicklungen der Gesellschaft, des Arbeitslebens und der Technik angepasst. Wir haben hier in Düsseldorf sehr nette und kompetente Kolleginnen und Kollegen mit oft sehr spannenden Lebensläufen. Auch als Teilnehmer von VHS-Kursen wünsche ich der VHS Düsseldorf, dass sie ihr Niveau hält und dafür Rahmenbedingungen bieten kann, die es den Dozentinnen und Dozenten ermöglicht sich auch in Zukunft so stark für die Bildungsarbeit zu engagieren.

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