Seinen ersten Segelschein hat er 1978 an der VHS gemacht. Heute ist er selbst Dozent bei uns. In seinen Kursen zeigt er euch, wie ihr das Segeln erlernen könnt und welches theoretisches Wissen ihr für den Sportküstenschifferschein benötigt.

Unser Dozent Thomas Clemens.

Wie sind Sie zum Segeln/Motorbootsport gekommen?

Schon als Kind war ich gerne im, am und auf dem Wasser unterwegs. Mit zwölf Jahren fand ich großen Gefallen am Rudern und um diese Zeit herum fuhr meine Familie gerne am Wochenende zu den Loosdrechter Plassen. Damals konnte man dort ganz ohne Schein und auch frei von Segelkenntnissen eine Jolle (Anm.: ein kleines Beiboot) mieten, den Tag auf einer einsamen Insel verbringen, den Picknickkorb auspacken und Robinson Crusoe spielen. Das hat mir großen Spaß gemacht. 1978 habe ich dann meinen ersten Segelschein gemacht – den A-Schein an der VHS in Düsseldorf – und es folgte ein erster, sehr abenteuerlicher Segeltörn auf dem Ijsselmeer. Jahre später, als ich mit dem Rudern aufhörte, erinnerte ich mich wieder an die schönen Segeltage in der Kindheit, machte einen Törn auf der Ostsee – im Herbst 1990 – und war sofort angefixt. Ohnehin schwebte mir damals schon vor, die Welt irgendwann einmal auf eigenem Kiel zu umrunden. Zumindest wollte ich aber eines Tages den Atlantik überqueren. Ich machte in den folgenden Jahren alle möglichen Scheine, damals noch aufgeteilt in amtliche und Verbandsscheine. Ebenso legte ich die Funk- und die Pyroprüfung ab – fast alle an der VHS in Düsseldorf. Irgendwann charterte ich auf eigene Faust mit Freunden eine Yacht und stellte fest, dass ich mit dem Segeln auf größeren Booten von nun an die Welt erobern könnte: Es gibt nur noch die Schleuse zum Wattenmeer und dann kommt bis New York keine Brücke mehr. Im Laufe der Jahre sammelte ich viele Seemeilen und vor allem auch Erfahrung. Ich hatte auch Spaß, mein erlangtes Wissen weiterzugeben und wieder war es die VHS Düsseldorf, die mir die Chance gab, die notwendige Theorie für die Segel- und Motorbootscheine im Unterricht vermitteln zu dürfen. Übrigens habe ich den Atlantik inzwischen schon vier Mal segelnd überquert…

Was gefällt Ihnen am Segeln/Motorbootsport am meisten, was fasziniert Sie?

Ich glaube, dass es die letzte große Freiheit ist, die man noch haben kann. Wenn ich auf dem Boot bin, ist der Alltag sofort ganz weit weg. Die Hektik dieser Welt bleibt zurück an Land. Fast so, als sei sie ein Mantel, den ich am Steg ablege. Es stellt sich umgehend Entspannung ein. Ich genieße es, wenn das Wasser am Rumpf entlang gurgelt und davon zeugt, dass sich das Boot fast wie von selbst seinen Weg bahnt. Ich kann – und das ist irgendwie mein Credo – alle möglichen Inseln anfahren, die ich anders gar nicht erreichen könnte. Ob Vlieland, Texel oder Helgoland in der Nordsee oder die Inseln der dänischen Südsee, ob die Seychellen oder die karibischen Inseln, ich liebe es auf einem Eiland zu sein. Es ist eine Form von Urlaub, die ich so nur mit einem Segelboot/Motorboot haben kann. Fernab vom Massentourismus kann ich mir eine Ankerbucht suchen und dort dem unter Wassersportlern so beliebten Müßiggang frönen. Und wenn der Wind passt, dann setze ich den großen, bunten Gennaker (Anm.: ein Gennaker ist ein großes Vorsegel) und freue mich, dass die Logge (Anm.: Messgerät zur Bestimmung der Geschwindigkeit) auf 7 Knoten springt.

Was würden Sie absoluten Beginnern, die das Segeln erlernen bzw. den Motorbootsport kennenlernen wollen, empfehlen? Welche Wege müssen und können sie gehen?

Man sollte nicht sofort mit dem Ozeansegeln beginnen oder mit dem 150 PS-Motor losfahren. Ich halte viel davon, dass man sich zunächst ein paar Grundlagen aneignet. Beim Segeln macht es keinen Sinn, einfach nur die geforderten 300 Seemeilen für den SKS zu absolvieren, eine Prüfung abzulegen und sich ins Getümmel zu schmeißen. Es gibt zwar ein paar Leute, die das so machen, aber es ist nicht zu empfehlen, weil man zunächst ein Verständnis für die Segelphysik erlangen sollte. Und da gibt es nichts Besseres, als mit einer Jolle anzufangen und über kleine Fehler – die ein Anfänger immer macht –  Lerneffekte zu erzielen. Ein einfaches Beispiel: Es kommt auf einem Kurs, bei dem der Wind von hinten schiebt, oft zu einer so genannten Patenthalse. Das heißt der Baum (das ist die untere Stange, an der das Segel befestigt ist) schlägt von einer Seite ruckartig auf die andere Seite des Schiffes. Wenn in dieser Situation der Kopf des Seglers nicht rechtzeitig eingezogen wird, gibt es eine dicke Beule. Wenn eine solche Patenthalse auf einem sogenannten Dickschiff gemacht wird, kann es schnell zu sehr schweren Verletzungen kommen. Ähnlich verhält es sich mit einem Motorboot. Wenn jemand noch nie mit einem Motorboot gefahren ist, das einen großen Motor am Heck hat, dann weiß man auch nicht, mit welcher Urgewalt das Boot plötzlich nach vorne schnellt, wenn man aus Versehen den Gashebel mal kräftig nach unten drückt. Von daher rate ich allen Einsteigern, in geschützten Revieren zu beginnen und sich die jeweiligen Grundlagen anzueignen. Ein bewährtes Mittel sind natürlich die Kurse, die an der VHS in Düsseldorf angeboten werden. Am besten besucht man die Einführungsveranstaltung für den Bereich Wassersport. Hier wird umfassend über die an der VHS angebotenen Kurse informiert und die Teilnehmer können Fragen zu den Kursen und zu den Scheinen stellen.

Sie sind Dozent des Kurses „Sportküstenschifferschein“. Dabei handelt es sich um eine Art Führerschein für Yachten. Was müssen Interessierte mitbringen, damit Sie an dem Kurs teilnehmen können? Was erwartet die Teilnehmenden?

Es geht in diesem Kurs darum, die Teilnehmenden auf die theoretische Prüfung für den SKS vorzubereiten. Die Prüfung besteht aus zwei Teilprüfungen. Zum einen müssen Fragen zu den Themen Navigation, Wetter, Schifffahrtsrecht und Seemannschaft gelernt und zum anderen navigatorische Fähigkeiten und das Wissen um die Gezeiten demonstriert werden. Natürlich ist eine wichtige Voraussetzung, dass man ein wenig Spaß an der Materie hat. Und man muss auf jeden Fall vorher den Sportbootführerschein für den Bereich Seeschifffahrtsstraßen gemacht haben. Der ist zwingende Voraussetzung für die Zulassung zur Prüfung. Im Kurs geht es darum, ein Verständnis für die von uns nicht zu ändernden äußeren Einflüsse zu entwickeln. Natürlich wird im ersten Moment jeder sagen: „Wozu soll ich navigieren lernen, ich habe doch einen GPS-Empfänger und einen Kartenplotter(Anm.: ein Navi für Schiffe). Das funktioniert doch wie beim Autofahren.“ Das ist es aber am Ende nicht. Ich selber benutze auch gerne meinen Plotter, aber ich bin gewappnet für den worst case. Elektronik kann ausfallen und dann braucht es einen Plan B. Man sollte auch mit den Gezeiten umgehen können. Der Plotter sagt mir vielleicht nicht, dass der Ankerplatz, auf dem ich es mir gerade gemütlich gemacht habe, in 3 Stunden trocken fällt und das Boot wenig später auf der Seite liegt. Die Gezeiten und auch der Wind können für Strömungen sorgen, die der Plotter ebenfalls nicht erkennt. Auch hier sollten die Zusammenhänge erkannt werden können. Dieses und vieles mehr behandele ich im Kurs.

Aktuell findet die boot in Düsseldorf statt. Sind Sie dort zu finden? Welche Aussteller und Produkte interessieren Sie am meisten und warum?

Das ist jetzt die 52. Bootsaustellung in Düsseldorf und ich war 1973 zum ersten Mal dort. Damals gab es schon ein Aktionsbecken und die Ruderer durften dort mit ihren Skiffs (Anm.: kleines Boot) ein paar Runden drehen. Seitdem bin ich fast jedes Jahr mindestens einmal dort gewesen. Und natürlich werde ich auch jetzt wieder vor Ort sein. Zunächst möchte ich an einem Seminar des World Cruising Clubs teilnehmen. Dieser organisiert die Atlantic Rally for Cruisers (ARC), die ich in ein paar Jahren wieder mitfahren möchte, diesmal auf eigenem Kiel. 1995 und 2000 war ich bereits dabei und es hat mir riesigen Spaß gemacht. Es geht bei diesem Seminar um die Ausrüstung der Yachten, das Thema Sicherheit und vieles mehr. Unter der Woche werde ich in den Hallen 9 bis 11 zu finden sein. Dort gibt es Bootszubehör und Ausrüstung. Und weil es am Schiff immer eine endlose To-Do-Liste gibt, werde ich auch Besorgungen tätigen und neue Kontakte knüpfen. Natürlich werde ich auch in den Hallen 15 bis 17 sein und mir anschauen, welche Neuerungen es auf dem Markt der Segelboote gibt. Manchmal lasse ich mich aber einfach nur treiben und komme hinterher mit einem Haufen Katalogen nach Hause, in die ich dann das ganze Jahr über nicht mehr hineinschaue und die ich dann kurz vor der nächsten boot zum Altpapier lege. Nach so langer Zeit kenne ich aber auch eine Menge Aussteller und es wird viel geschnackt. Und dann ist die boot auch noch ein kleiner gedanklicher Anker. Wenn die Ausstellung vorbei ist, hat die neue Segelsaison quasi begonnen…

Wer sich für Motorbootsport/Segeln interessiert, kann zu unserer Infoveranstaltung am 30. Januar kommen. Hier geht’s zur Veranstaltung: https://vhs.duesseldorf.de/vhs/suche-nach-veranstaltungen-im-angebot-der-vhs-duesseldorf.html?kathaupt=11&knr=U761001&kursname=Vortrag+Informationsveranstaltung&katid=557

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