Tobias Fehring ist seit einem guten Jahr der Leiter der Schulischen Weiterbildung. Zuvor hat er für diese zur VHS gehörenden Abteilung mehrere Jahre als Lehrer gearbeitet. Davor wiederum hat er an unterschiedlichen Gymnasien die Fächer Deutsch und Geschichte unterrichtet. Im Interview erzählt er uns von seinem etwas anderen Schulalltag und von erfreulichen Begegnungen außerhalb der Schulmauern.

Herr Fehring, wie sieht ihr Arbeitsalltag als Schulleiter aus?
Ich bezeichne mich gerne als Außenminister der Schulischen Weiterbildung. Zu meinen Tätigkeiten gehören Personalführung, Gebäudemanagement und Konzeptionelles wie die Weiterentwicklung unseres Angebots. Oft kommt Unvorhergesehenes dazu – ich weiß morgens meistens nicht, was bis mittags auf meinem Schreibtisch landet. Aufgrund vieler Termine ist mir regelmäßiges Unterrichten leider nicht mehr möglich. Stattdessen versuche ich, in den Pausen den Kontakt zu unseren Teilnehmenden zu halten.

Warum haben Sie sich für diese Tätigkeit entschieden?
Bildungsgerechtigkeit ist bei mir ein Lebensthema. Ich stamme aus einer Familie mit sechs Kindern. Mein Vater war Straßenbahnfahrer, meine Mutter Hausfrau. Es war ganz und gar nicht normal, dass ein Arbeiterkind zum Gymnasium geht. Meine älteste Schwester musste noch schwer dafür kämpfen. Und es war immer spürbar, dass meine Schulkameraden andere Voraussetzungen auf dem Weg zum Abitur hatten als ich. Beispielsweise hatten wir keinen Brockhaus zu Hause (Ein seinerzeit sehr teures, mehrbändiges Nachschlagewerk, Anm. d. Red.). Und meine Mutter konnte mir sehr bald nicht mehr bei meinen Hausaufgaben helfen.

Meine jetzige Position erfüllt mich mehr als meine Arbeit am Gymnasium, da ich hier viel aktiver an der Bildungsgerechtigkeit mitarbeite und sehr unmittelbare Erfolgserlebnisse habe.

Was schätzen Sie besonders an Ihren Teilnehmenden?
Manche Menschen mögen behaupten, dass diejenigen, die keinen regulären Schulabschluss haben, Verlierer sind. Für mich stehen die Leute, die unsere Schule besuchen, jedoch ganz klar auf der Gewinnerseite. Denn sie haben den ersten Schritt gemacht, ihr Leben in eine erfolgversprechende Zukunft zu lenken.
Mir gefällt die Beziehungsebene, die Teilnehmende und Dozierende bei uns haben. Sie ist sehr partnerschaftlich. Wir sehen uns mehr als Lernbegleiter, denn als Lehrer.

Können Sie einen besonderen Moment nennen, den Sie auf dem Campus Golzheim erlebt haben?
Oh, das waren einige. Und nicht nur auf dem Campus. Neulich war ich in der Stadt und wurde sozusagen von der Seite angequatscht. Es war ein ehemaliger Teilnehmer, der ursprünglich aus Afghanistan kommt, bei uns seinen Schulabschluss gemacht hat und nun Bäckergeselle ist.

Dann traf ich mal im Restaurant auf einen Ehemaligen, der nun Informatik studiert. Ich freue mich immer zu hören, wie es nach der Schule weitergeht.

Besonders schön war auch zu sehen, wie glücklich und stolz ein Teilnehmer war, der bei uns seinen Realschulabschluss gemacht hat. Er war zuvor auf einer Förderschule, wo ihm dies niemand zugetraut hatte. Doch er war angespornt und hat sich gegen alle Widerstände durchgebissen. Bei der Zeugnisübergabe sagte er, dass er dieses hart erarbeitet Dokument nun seiner alten Schule präsentieren werde.

Und zum Schluss: Eine gute Fee lädt Sie zu einem VHS-Kurs ein. Welchen würden Sie gerne besuchen?
Bogenschießen. Ich habe mal einen Schnupperkurs im Bogenschießen besucht. Das hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Toll, dass die VHS auch so etwas in ihrem umfangreichen Programm hat!

Foto: © VHS Düsseldorf

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